Mehrwertsteuersenkung Gastronomie 2022: Das musst du jetzt wissen

Gut zu wissen - Der GastroRatgeber

Über 4 Milliarden Euro an Steuerentlastung: Um der Gastronomie unter die Arme zu greifen, hat die Bundesregierung beschlossen, die Mehrwertsteuer bzw. Umsatzsteuer zeitweise zu senken. Die Mehrwertsteuersenkung für die Gastro wurde zwischenzeitlich aufgrund Corona-Krise und anhaltender Inflation bis Ende 2023 verlängert. Für welche Gastronomieleistungen die Umsatzsteuersenkung gilt und was Restaurantinhaber in diesem Zusammenhang wissen müssen, klären wir in diesem Beitrag.

Ein Artikel von Max Falkenstern und Patrick Schady

Stand: 26. September 2022

In welchem Zeitraum gilt der reduzierte Steuersatz in der Gastronomie?

Die Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie wurde erstmals für den 01. Juli 2020 bis 31.12.2020 beschlossen (1. und 2. Corona-Steuerhilfegesetz). Die Wirtschaftshilfe zielt darauf ab, Restaurants, Cafés und andere Gaststättenbetriebe zu unterstützen, die unter den beschlossenen Infektionsschutzmaßnahmen besonders zu leiden hatten.

Mit dem dritten Corona-Steuerhilfegesetz wurde die Umsatzsteuersenkung für die Gastronomie bis einschließlich 31. Dezember 2022 verlängert.

Vor dem Hintergrund der galoppierenden Inflation und steigenden Energiepreisen hat die Bundesregierung mit dem dritten Entlastungspaket nunmehr eine Verlängerung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für die Gastro bis einschließlich 31.12.2023 beschlossen.

Die Absenkung der Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie auf 7 Prozent wird verlängert, um die Gastronomiebranche zu entlasten und die Inflation nicht weiter zu befeuern.

Beschlusspapier, drittes Entlastungspaket der BRD

Ob der ermäßigte Umsatzsteuersatz für Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen dauerhaft gesetzlich verankert wird, bleibt weiterhin offen. Branchenverbände wie die DEHOGA kämpfen schon seit Jahren für eine Entfristung, bislang jedoch ohne Erfolg. Die abermalige Verlängerung wertet der Verband indes als „ganz wichtiges Signal für die Branche in schwierigster Zeit“. Die DEHOGA werde sich weiterhin für eine permanente Geltung der Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie einsetzen.

ZeitraumBis 30.06.202001.07.2020 – 31.12.2020 01.01.2021 – 31.12.2023
Speisen zum Verzehr vor Ort19%5%7%
Speisen ohne Sitzplätze
(Imbiss, Foodtrucks…)
7%5%7%
Speisen zur Mitnahme / Lieferung (mit Ausnahmen)7%5%7%
Getränke
(allg. Steuersatz)
19%16%19%
Umsatzsteuersenkung für die Gastronomie (von 2020 bis 2023)

Der in der Tabelle oben aufgeführte Zeitraum wird in drei Phasen unterteilt, welche jeweils unterschiedliche Senkungen der Mehrwertsteuer nach sich ziehen. Dabei gilt die Reduzierung des Umsatzsteuersatzes explizit nicht für Getränke. Der Getränkeausschank fällt unter den allgemeinen Steuersatz.

Wer profitiert von der Mehrwertsteuersenkung?

Der reduzierte Mehrwertsteuersatz gilt für alle Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen.

Doch wie ist eine Restaurant- und Verpflegungsdienstleistung zu definieren?

Die Durchführungsverordnung (EU) Nr. 282/2011 des Rates zur Festlegung von Durchführungsvorschriften zur Richtlinie 2006/112/EG über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem regelt in Artikel 6:

  1. „Als Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen gelten die Abgabe zubereiteter oder nicht zubereiteter Speisen und/ oder Getränke, zusammen mit ausreichenden unterstützenden Dienstleistungen, die deren sofortigen Verzehr ermöglichen. Die Abgabe von Speisen und/oder Getränken ist nur eine Komponente der gesamten Leistung, bei der der Dienstleistungsanteil überwiegt. Restaurantdienstleistungen sind die Erbringung solcher Dienstleistungen in den Räumlichkeiten des Dienstleistungserbringers und Verpflegungsdienstleistungen sind die Erbringung solcher Dienstleistungen an einem anderen Ort als den Räumlichkeiten des Dienstleistungserbringers.“
  2. „Die Abgabe von zubereiteten oder nicht zubereiteten Speisen und/oder Getränken mit oder ohne Beförderung, jedoch ohne andere unterstützende Dienstleistungen, gilt nicht als Restaurant- oder Verpflegungsdienstleistung im Sinne des Absatzes 1.“

Kurz gesagt: Sofern du ein Restaurant, ein Café oder eine Bar mit Sitzplätzen betreibst, bist du grundsätzlich von der Mehrwertsteuersenkung betroffen. Aber auch Konditoreien, Kantinen und Catering-Dienstleister, die Vor-Ort-Verzehr von Speisen und Getränken anbieten, profitieren von dem ermäßigten Umsatzsteuersatz.

Umsatzsteuersenkung für die Gastronomie

Reduzierter Mehrwertsteuersatz – auch für Essen zum Mitnehmen?

Dein Restaurant bietet Essen zum Mitnehmen und / oder lieferst Speisen aus? Dann gilt für diese Leistungen ohnehin der allgemeine Steuersatz von 7 Prozent.

Aber Obacht, es gibt Fallstricke:

  • Bei Luxuswaren wie Austern, Langusten, Hummer und Kaviar…
  • sowie beim Servieren von Speisen auf (wiederverwertbaren) Porzellangeschirr ….

… gilt grundsätzlich der höhere Mehrwertsteuersatz von 19 %.

Vor allem das Geschirrbeispiel dürfte für Stirnrunzeln sorgen. Ein Takeaway- bzw. Lieferservice mit Wegwerfgeschirr wird mit ermäßigten 7 Prozent gesteuert.

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Gastronomen sind ab 2023 von der Mehrwegpflicht betroffen.

Wer sich mit dem Einsatz von wiederverwertbarem Geschirr für die edle und gleichzeitig umweltbewusste Leistung entscheidet, muss mehr Steuern abführen. Der Gesetzgeber erklärt dies u.a. damit, dass mit der Verwendung von Porzellangeschirr Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen anfallen (etwa das Abspülen).

Steuersenkung weitergeben – Müssen Speisekarten geändert werden?

Laut dem Bundeswirtschaftsministerium ist es möglich, die Preise unverändert auf der Speisekarte zu lassen. Demzufolge kann das Restaurant den Gästen einen generellen prozentualen Preisnachlass gewähren.

Die Entscheidung darüber, ob und in welcher Umfang die Mehrwertsteuersenkung an die Gäste weitergereicht wird, obliegt aber natürlich beim Restaurantinhaber.

In der Preisgestaltung frei bist du auch im Punkt „Speisen zur Mitnahme vs. Verzehr im Restaurant“. Dein To-Go-Angebot kann also preisgünstiger sein, muss es aber nicht. Angesichts existenzbedrohender Kosten für Energie, Lebensmittel und Personal stellt sich die Frage für viele Gastronomen aber ohnehin nicht.

Viel entscheidender ist am Ende fürs Finanzamt und den Verbraucher, dass auf der Abrechnung und dem Kassenbon klar hervorgeht, welche Leistungen wie versteuert wurden.

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Von den Kostensteigerungen betroffen? Welche Maßnahmen Gastronomen treffen können.
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Fazit – Mehrwertsteuersenkung auf einen Blick

Die Corona-Pandemie, Inflation und explodierende Energiepreise setzen Unternehmen stark zu. Die Gastronomie zählt zu den am stärksten betroffenen Branchen. Umso erfreulicher ist es, dass zur Entlastung der Gastronomie zeitweise eine Mehrwertsteuersenkung auf 7 Prozent beschlossen wurde. Die Umsatzsteuersenkung trifft ab dem 01. Juli 2020 in Kraft. Der ermäßigte Steuersatz gilt jedoch ausschließlich für Speisen, nicht aber für Getränke.

Take-Away und Lieferservice sind nicht von der Regelung betroffen. Hier gilt grundsätzlich weiterhin die gewohnte Mehrwertsteuer von 7%.

Weiterführende Informationen zur Umsatzsteuersenkung für Speisen in der Gastronomie findest du im Merkblatt des ZDH.

Nützliche Links

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