Arbeitsrecht & Arbeitszeiten in der Gastronomie einfach erklärt

Arbeitszeiten, Pausenregelung, Jugendschutz und Co. – Das Arbeitsrecht in der Gastronomie solltest du als Gastronom wie deine eigene Westentasche kennen, damit du in kein arbeitsrechtliches Fettnäpfchen trittst.

In diesem Artikel erfährst du alles, was du zum Thema Arbeitszeitgesetz & Arbeitsrecht in der Gastronomie wissen musst.

Ein Artikel von Patrick Schady

Arbeitszeitgesetz und Arbeitsrecht – Was muss man beachten?

Mitarbeiter werden krank, sind im Urlaub und die restliche Belegschaft muss Überstunden und Doppelschichten schieben. Die Arbeitszeiten, vor allem in der Gastronomie, sind stets ein heikles Thema.

Laut dem §2 des Arbeitszeitgesetz (ArbZG) umfasst die Arbeitszeit, die Zeit vom Beginn bis zum Ende der Arbeit, ohne die Ruhepausen.

Das Arbeitszeitgesetz definiert zudem für unterschiedliche Personengruppen besondere Rechte. So gilt u. a. für …

… ein besonderer Schutz, der vom Arbeitgeber beachtet werden muss.

Wie sind die Arbeitszeiten in der Gastronomie geregelt?

Gemäß dem §3 ArbZG darf die tägliche Arbeitszeit von maximal acht Stunden nicht überschritten werden. Die Werktage umfassen den Montag bis einschließlich Samstag. Somit darf ein Arbeitnehmer insgesamt 48 Stunden (6 Tage x 8h) pro Woche arbeiten.

Deshalb kann die tägliche Arbeitszeit auf 10 Stunden ausgeweitet werden, jedoch nur, wenn innerhalb von sechs Monaten die durchschnittliche Arbeitszeit acht Stunden werktäglich nicht überschritten wurde.

Ein Arbeitstag von über zehn Stunden darf nur in Ausnahmefällen überschritten werden. Hierbei muss ein außergewöhnlicher Fall nach dem §14 ArbZG vorliegen. Mitarbeitermangel oder hohes Besucheraufkommen im Restaurant zählen beispielsweise nicht als ein Ausnahmefall.

Die 48-Stunden-Regel schließt außerdem alle Tätigkeiten eines Arbeitnehmers ein. So darf beispielsweise ein Mitarbeiter eine Nebentätigkeit ausüben, aber nicht die Höchstarbeitszeit mit dem Zweitjob überschreiten.

Fazit: Angestellte dürfen grundsätzlich 10h am Tag in deiner Gaststätte arbeiten, jedoch darf innerhalb von sechs Monaten die Arbeitszeit im Durchschnitt nicht acht Stunden werktäglich überschreiten.

Welche Ruhezeiten gibt es?

Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, seinen Angestellten eine Ruhepause zu gewähren. Die Pausen dienen der Erholung und sollten deshalb nach Möglichkeit im Voraus festgelegt werden. Während der Pause sind deine Mitarbeiter nicht verpflichtet eine Arbeitsleistung zu erbringen.

Die Pausenregelung sieht vor, dass einem Mitarbeiter bei einer Arbeitszeit ab sechs Stunden 30 Minuten Pause zustehen. Darunter besteht grundsätzlich kein Anspruch auf Pause. Ab neun Arbeitsstunden müssen weitere 15 Minuten gewährt werden. Die Ruhezeit kann zudem auch aufgeteilt werden, jedoch muss sie mindestens 15 Minuten betragen.

Fazit: Arbeitnehmer stehen ab sechs Arbeitsstunden 30 Minuten Pause zu. Ab neun Stunden müssen weitere 15 Minuten gewährt werden.

Sonn- Feiertags- und Nachtarbeit – Wie ist die Regelung in der Gastronomie?

Grundsätzlich gilt ein Arbeitsverbot für Sonn- und Feiertagen von 0 bis 24 Uhr. In der Gastronomie sowie in einigen anderen Branchen gibt es natürlich Ausnahmeregelungen, sodass an den Tagen normal gearbeitet werden kann.

Doch ein paar Beschränkungen bestehen jedoch:

  • Die Arbeitszeit darf 8 Stunden nicht überschreiten
  • Dem Arbeitnehmer stehen mindestens 15 freie Sonntage im Jahr zu
  • Es steht dem Arbeitnehmer ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von zwei Wochen gewährt werden muss. Bei Feiertagen verlängert sich diese Frist auf acht Wochen

Einen Anspruch auf Zuschlag für Arbeit an Sonn- und Feiertagen besteht für den Mitarbeiter nicht, außer dieser wurde beispielsweise in einem Tarifvertrag oder Arbeitsvertrag geregelt.

Die Nachtarbeit, auch Nachtschicht genannt, umfasst die Arbeitszeit zwischen 23:00 Uhr bis 06:00 Uhr. Als Nachtarbeiter werden alle bezeichnet, die mindestens 48 Tage im Jahr Nachtarbeit leisten. Aufgrund der körperlichen Belastung, die die Nachtarbeit mit sich bringt, stehen Nachtarbeiter unter besonderem Schutz:

  • Nachtarbeiter erhalten besondere Leistungen (Zuschläge, bezahlte arbeitsfreie Tage und regelmäßige ärztliche Untersuchungen auf Kosten des Arbeitgebers)
  • Nachtarbeiter dürfen auch bei einer 6-Tage Woche nicht mehr als 8h täglich arbeiten. Ausnahmen hierbei sind nur bedingt möglich

Fazit: An Sonn- und Feiertage darf in Gaststätten problemlos gearbeitet werden. Es bestehen aber einige Beschränkungen. Zuschläge sind keine gesetzliche Pflicht. Die Nachtarbeit steht unter einem besonderen Schutz, Arbeitnehmern stehen hier besondere Sonderleistungen zu.

Wie viel Zeit muss zwischen zwei Schichten liegen?

Laut §5 Abs. 2 ArbZG muss dem Arbeitnehmer eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden nach der Beendigung der Arbeit gewährt werden. In der Gastronomie kann die Ruhezeit um eine Stunde verkürzt werden. Hierbei muss jedoch die Verkürzung innerhalb von vier Wochen durch eine andere Ruhezeit ausgeglichen werden.

Wie viel freie Wochenenden stehen einem in der Gastronomie zu?

Da lediglich der Sonntag als arbeitsfreier Tag in Deutschland zählt, stehen den Mitarbeitern in Gastronomiebetrieben nur eine Mindestzahl an freien Sonntagen zu. Diese beträgt wie bereits erwähnt mindestens 15 Tage im Jahr.

Daneben haben Mitarbeiter auch einen Urlaubsanspruch. Bei einer 6-Tage Woche beträgt dieser mindestens 24 Tage pro Kalenderjahr. Bei einer 5-Tages-Woche verringert sich der Urlaubsanspruch auf 20 Tage.

Jugendarbeitsschutzgesetz – Darauf musst du bei minderjährigen Mitarbeitern achten!

Für minderjährige Arbeitnehmer gilt in Deutschland das Jugendarbeitsschutzgesetz. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich hierbei um einen Azubi, Praktikanten oder nur um einen Nebenjob handelt. Geringfügige Arbeiten wie bspw. Hilfsarbeiten im Haushalt fallen nicht unter das eingangs erwähnte Schutzgesetz.

So dürfen minderjährige Mitarbeiter …

  • … nicht mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten
  • … maximal 8 Stunden pro Tag arbeiten
  • … nur 5-Tage die Woche arbeiten
  • … nicht an Feiertagen, Samstag und Sonntag arbeiten

Zudem sind die Ruhezeiten bei Minderjährigen strenger geregelt. So muss spätestens nach einer Arbeitszeit von 4,5h eine Pause von mindestens 15 Minuten erfolgen. Ab 6 Stunden steigt die Ruhezeit auf insgesamt 60 Minuten an, die auch aufgeteilt werden können.

Die Kernarbeitszeit liegt zwischen 06:00 Uhr bis 22:00 Uhr. Somit dürfen Minderjährige prinzipiell keine Nachtarbeit leisten.

Obwohl Wochenendarbeit und Überstunden generell bei unter 18-Jährigen verboten sind, bestehen auch hier eine Ausnahmeregelung für die Gastronomie. Sofern die wöchentliche Arbeitszeit von 40h nicht überschritten wird, dürfen Minderjährige auch – in Ausnahmefällen – länger als acht Stunden arbeiten. Die Wochenendarbeit ist ebenso zulässig, aber nur wenn diese nicht regelmäßig erfolgt und nur wenn Ausgleichstage in der gleichen Woche gewährt werden.

Fazit: Die Arbeitszeiten bei Minderjährigen sind deutlich strenger geregelt. Grundsätzlich ist die Arbeit am Wochenende verboten und es dürfen nicht mehr als 40 Stunden abgeleistet werden. In Ausnahmefällen darf jedoch am Wochenende gearbeitet werden. Zudem müssen Minderjährigen mehr Ruhezeiten gewährt werden.

Arbeitszeiterfassung – Achtung Bußgeld droht!

Der Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet die Arbeitszeiten der Mitarbeiter ordentlich zu erfassen sowie zu dokumentieren. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 15.000 Euro oder eine Freiheitsstrafe. Ein Verstoß kann bereits vorliegen, wenn Mitarbeiter über die Grenze von 10 Stunden beschäftigt werden und/oder die Ruhezeiten nicht gewährt werden.

Laut dem Mindestlohngesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit zu dokumentieren. Diese Aufzeichnung muss mindestens zwei Jahre aufbewahrt werden.

Ausgenommen von der Auszeichnungspflicht sind Angestellte, die mindestens 2000 Euro Brutto im Betrieb verdienen und in den vergangenen 12 Monaten stetig entlohnt wurden.

Die Form der Arbeitszeiterfassung ist nicht gesetzlich vorgeschrieben und kann beispielsweise in digitaler, elektronischer oder schriftlicher Form erfolgen.

Fazit – Arbeitsrecht richtig umsetzen

Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) in der Gastronomie und Hotellerie ist ein heikles Thema. Grundsätzlich darf die Arbeitszeit der Mitarbeiter nicht mehr als 48 Stunden pro Woche betragen.

Nacht- und Wochenendarbeit ist in der Gastronomie erlaubt. Mitarbeitern stehen damit aber nicht automatisch Zuschläge zu. Diese müssen entweder im Tarifvertrag oder Arbeitsvertrag geregelt werden. Für Nachtarbeiter ist der Arbeitgeber jedoch verpflichtet, Sonderleistungen zu erbringen.

Das Arbeitsrecht hat vor allem bei minderjährigen Arbeitnehmern strenge Regelungen. Mehr Pausen, maximal 40 Arbeitsstunden pro Woche und keine Wochenendarbeit sind die Regel. In Ausnahmefällen wird aber die Arbeit am Wochenende geduldet, wenn in der gleichen Woche ein Ausgleich stattfindet. Die Arbeitszeiten bei Mitarbeitern unter 18 Jahren liegt zwischen 06:00 Uhr bis 22:00 Uhr und darf grundsätzlich nicht überschritten werden.

Letzten Endes ist das Arbeitsrecht ein komplexes Gebilde mit zahlreichen Regelungen, die sich stetig ändern. Deshalb ist es als Gastronom wichtig, bei speziellen Fällen einen Rechtsanwalt zu konsultieren. 

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