Stolperfalle Trinkgeld – Rechtliches zur Aufteilung und faire Lösungen

Das Thema Trinkgeld ist in vielen gastronomischen Betrieben ein Dauerbrenner. Was gilt es Rechtliches zu beachten? Und welches Trinkgeld-System empfiehlt sich? Wir zeigen dir, welche Stolperfallen du beim Trinkgeld unbedingt vermeiden musst, damit du nicht den Unmut deiner Mitarbeiter oder der Behörden auf dich ziehst.

Warum Du Dich als Chef mit dem Trinkgeld beschäftigen solltest

Es gibt zwei Gründe, warum Betreiber von Cafés, Bars und Restaurants sich für Trinkgelder interessieren sollten: Erstens musst Du als Besitzer die juristischen Bestimmungen einhalten, Trinkgelder berühren insbesondere das Steuer- und Arbeitsrecht. Zweitens handelt es sich bei der Aufteilung der Trinkgelder in der Gastronomie und Hotellerie um einen heiklen Punkt.

Jeder Betrieb verfährt anders, es existieren vielfältige Systeme. Im einen Extrem darf jede Servicekraft ihr Trinkgeld nur für sich behalten. Im anderen Extrem erhalten alle Beteiligte denselben Anteil. Wäge gründlich ab, welche Variante sich für Dein Unternehmen am besten eignet.

Der juristische Aspekt: Wem gehört das Trinkgeld?

Manche Chefs nehmen ihren Mitarbeitern das Trinkgeld ab und stecken es in die eigene Tasche. Das ist ein klarer Gesetzesverstoß: Gäste geben der jeweiligen Servicekraft ein Trinkgeld, weil sie ihre Leistung als besonders gut schätzen.

So sieht es der Gesetzgeber: Ob Kunden in einer konkreten Situation aus Freude über den Service oder aus gesellschaftlicher Konvention zahlen, spielt keine Rolle. Trinkgelder werden als persönliche und freiwillige Zahlung verstanden, auf die der Arbeitgeber nicht zugreifen darf. Auch im Arbeitsvertrag darf nichts Gegenteiliges stehen, solche Bestimmungen sind unwirksam.

Steuerrechtlich ordnet der Gesetzgeber Trinkgelder ebenfalls als freiwillige Zahlungen von Gästen ein, die nicht zum Arbeitslohn gehören. Du und Deine Mitarbeiter müssen weder Lohnsteuer und Umsatzsteuer noch Sozialversicherungsbeiträge auf die Geldbeträge entrichten. Die Regelung, dass das Trinkgeld steuerfrei ist (§3 Nr. 51 EstG), existiert seit 2002. Davor mussten Angestellte Einkommensteuer abführen.

Die optimale Aufteilung unter den Servicekräften

Du siehst: Den Regelungen im Arbeitsrecht und im Steuerrecht kannst Du leicht entsprechen, sie stellen keine komplexe Herausforderung dar. Die Frage nach der gerechten Aufteilung erweist sich als schwieriger. Der vermeintlich einfache Weg ist es, dass jede Servicekraft ihr Trinkgeld behalten darf. Diese Variante erfordert keinen aufwendigen Umverteilungsmechanismus, als Chef kannst Du Dich heraushalten. Zudem spricht die Motivationsförderung für dieses System. Dein Personal strengt sich in der Hoffnung auf höhere Trinkgelder mehr an.

Doch ist diese Regelung fair? Viele Kollegen in solchen gastronomischen Betrieben verneinen das. Die Höhe des Trinkgelds basiert nicht allein auf der Qualität des Service, sie kann auch auf Glück beruhen. Der eine Mitarbeiter bedient an einem Abend vornehmlich spendable Gäste, der andere muss sich bei derselben Leistung mit mickrigen Trinkgeldern begnügen. Der eine kassiert viele Kunden ab, der andere erledigt hauptsächlich andere Aufgaben. Willst Du eine gerechte Aufteilung für die Servicekräfte verwirklichen, solltest Du Deinen Blick auf Alternativen legen:

  1. Du kannst eine Aufteilung zu denselben Anteilen umsetzen. Bestenfalls erfolgt die Verteilung pro Schicht. So erhalten alle eine persönliche Zuwendung, die direkt an den Einnahmen beteiligt waren. Bei einer Trinkgeldkasse mit monatlicher Verteilung fehlt dagegen der unmittelbare Bezug. Zudem musst Du aufwendig ausrechnen, wer welchen Anteil angesichts seiner Arbeitszeit bekommt.
  2. Du kannst Dich für einen Mix aus Selbstbehalt und Verteilung entscheiden. Servicekräfte dürfen zum Beispiel die Hälfte des Trinkgelds einbehalten, die andere Hälfte empfangen alle Angestellten pro Schicht in denselben Anteilen. Bei diesem System kombinierst Du die faire Aufteilung mit dem persönlichen Anreiz jedes Angestellten, möglichst viel einzunehmen.

Küche einbeziehen?

Bei einem gastronomischen Betrieb mit einer eigenen Küche gestaltet sich die Frage der Verteilung komplizierter. Aus Gerechtigkeitsgründen solltest Du darauf hinwirken, dass die Köche und Hilfsköche nicht leer ausgehen. Sie tragen ebenfalls viel zu Deinen Einnahmen bei.

In zahlreichen Unternehmen hat sich ein Mischsystem bewährt. Die Küchenangestellten partizipieren zum Beispiel an der Sammelkasse pro Schicht mit einem bestimmten Schlüssel.

Gemeinsam auf eine Lösung verständigen

Als Chef darfst Du nicht alleine bestimmen, welches System in Deinem Unternehmen gilt. Bedenke den Abschnitt zum Arbeitsrecht: Juristisch gesehen darf jede Servicekraft ihr Trinkgeld behalten, niemand kann sie zur Abgabe zwingen. Eigentümer können aufgrund ihrer Stellung das Trinkgeld-System aber wesentlich beeinflussen.

Die optimale Lösung ist es, wenn Du Dich zusammen mit Deinen Mitarbeitern auf eine einvernehmliche Regelung einigst. Setze Dich bei einer Firmengründung mit Deinem künftigen Personal zusammen und besprecht den Umgang mit dem Trinkgeld. Führst Du einen etablierten Betrieb und spürst Du in Deiner Belegschaft mit dem aktuellen Trinkgeld-System Unzufriedenheit, berufe zum Thema Trinkgeld eine Mitarbeiterversammlung ein.

Neue Mitarbeiter zu Anfang informieren

In fast allen gastronomischen Unternehmen gibt es einen permanenten Personalwechsel. Das kann dazu führen, dass neue Angestellte das bisher funktionierende Trinkgeld-System infrage stellen und dadurch Unmut entsteht. Dieses Problem unterbindest Du im Ansatz, wenn Du diesen Aspekt im Vorstellungsgespräch anbringst und die Regelung erläuterst.

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