Finanzierung Gastronomie: Checkliste & Anleitung

Fast 8 Millionen Kreditverträge wurden im vergangenen Jahr in Deutschland abgeschlossen. Eine Finanzierung in der Gastronomie zu erhalten wird jedoch von Jahr zu Jahr immer schwieriger.
Wie auch du eine erfolgreiche Finanzierung für dein Restaurant, Café oder Bar erhältst, verraten wir dir in diesem Beitrag.

Ein Artikel von Patrick Schady

Was versteht man unter eine Finanzierung?

Unter einer Finanzierung versteht man grundsätzlich die Kapitalbeschaffung für eine Unternehmung. In der Unternehmensbilanz wird die Kapitalbeschaffung auf der Passivseite in den Positionen des Eigen- und Fremdkapitals ausgewiesen.

Weiter umfasst die Finanzierung alle Maßnahmen zur Beschaffung und Rückzahlung von Kapital. Zudem lässt sich die Kapitalherkunft in Außen– und Innenfinanzierung unterscheiden.

Finanzierung Gastronomie - Ein Überblick

Welche Voraussetzungen benötigt man für die Eröffnung einer Gastro?

Bevor es zur Finanzierung kommt, gilt es zunächst einige Bedingungen zu bewerkstelligen. Damit du aus rechtlicher und bürokratischer Sicht ein Restaurant betreiben darfst, musst du folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Du benötigst eine Gaststättenerlaubnis bzw. Gaststättenkonzession (sofern du alkoholische Getränke anbieten willst) und
  • einen Gewerbeschein sowie
  • ein Hygienekonzept (HACCP-Konzept)

Für einen erfolgreichen Antrag beim zuständigen Amt werden u. a. …

  • … eine steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Finanzamt
  • … ein aktuelles polizeiliches Führungszeugnis
  • … eine Gewerbeversicherung
  • … ein Gesundheitszeugnis vom Gesundheitsamt

… benötigt. Zudem ist die Beantragung der Gaststättenkonzession erst möglich, wenn der Miet- oder Pachtvertrag unterschrieben ist. Außerdem solltest du dafür genügend Zeit einplanen, da die Bewältigung der bürokratischen Hürden viel Zeit in Anspruch nehmen kann.

„Wer nichts wird, wird Wirt“. Ein Spruch, den vermutlich schon einige Gastronomen zu Ohren gekommen ist. Die Realität ist natürlich das komplette Gegenteil: Der Beruf Gastwirt verlangt einem viel ab, sodass neben den bürokratischen Hürden auch viele individuelle Voraussetzungen für den Beruf erfüllt werden müssen. So brauchst du u.a. …

  • … das nötige Know-how (Küche, Service, Betriebswirtschaft)
  • … einen sehr langen Atem, da sich der Erfolg nicht über Nacht einpendelt
  • … das nötige Verhandlungsgeschick, um bei Lieferanten gute Preise zu erzielen und bspw. bei Banken einen günstigen Kredit zu ergattern

Kurz und knapp: Wer ein erfolgreicher Gastronom werden will, muss sich in verschiedensten Bereichen auskennen und darüber hinaus sehr belastbar sein.

Startkapital – Was braucht man alles für die Gastronomie?

Die Ausgaben und Kosten bei einer Gründung eines Restaurants, Café oder Bar sind vor allem am Anfang enorm. Je nach Größe muss man für die (komplett-)Ausstattung eines Restaurants mit einem Betrag ab 100.000 Euro rechnen.

Du benötigst u. a. …

  • … eine komplette Küchenausstattung
  • … einen voll möblierten Gastraum + evtl. Biergarten
  • … Geschirr, Deko und Co.

Zudem musst du deine Mitarbeiter, die Miete und weitere fixe und variable Kosten wie Lieferanten bezahlen, obwohl zu Beginn einer Gründung die Einnahmeseite (viel) geringer ist als die Ausgabenseite.

Eine detaillierte Auflistung aller Gegenstände, die du bei der Gründung einer Gastronomie benötigst, erhältst du im Artikel >>Ausstattung für die Gastronomie<<

Kurz und knapp: Du brauchst einen langen Atem bei der Existenzgründung in der Gastronomie und vor allem genügend Startkapital, um nicht in finanzielle Schieflage zu geraten.

Welche Arten der Finanzierung gibt es für die Gastronomie?

Bei der Gründung einer Gastronomie kommt man ohne Fremdkapital meistens nicht weit. Um eine Fremdfinanzierung für ein Restaurant zu erhalten, benötigt man jedoch auch ein entsprechendes Eigenkapital. Sonst trifft man bei der Kapitalbeschaffung meistens auf taube Ohren. In der Regel benötigt man für eine Fremdkapitalbeschaffung 20-30% an Eigenkapital in der Gastronomie.

Fremdkapital, das in den ersten drei Jahren der Gründung herangezogen wird, bezeichnet man als Existenzgründerdarlehen.

Für die Finanzierung bzw. Kapitalbeschaffung bieten sich in der Gastronomie folgende Möglichkeiten an:

  • Bankkredite
  • Crowdfunding
  • Privatkredit
  • Fördermittel
  • Brauereidarlehen
  • Leasing & Ratenzahlungen

Bankkredite – Der übliche Weg zum eigenen Restaurant

Der Gang zur Bank ist ein gängiges Mittel in der Gastro, um sich Fremdkapital für die Existenzgründung zu beschaffen. Wie bereits erwähnt, benötigst du ein gewisses Maß an Eigenkapital in der Tasche, bevor sich der Weg zur Bank lohnt.

Das benötigte Eigenkapital kann bei einem erfahrenen und bereits erfolgreichen Existenzgründer mit positiven Referenzen u. a. geringer ausfallen als bei einem Neuankömmling. Damit dir deine Bank ein Darlehen gewährt, musst du folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Positive Bonität und Kreditwürdigkeit
  • einen gut ausgearbeiteten Businessplan
  • Sicherheiten (Eigenkapital, Berufserfahrung oder weitere Geschäftspartner)

Vor allem ein schlagkräftiges Konzept und der dazugehörige Businessplan ist das A und O, um einen Kredit bei der Bank zu erhalten. In der Bank wird grundsätzlich das Vier-Augen-Prinzip angewendet. Du stellst deinen zugehörigen Bänker dein Konzept vor, dieser leitet dein Anliegen weiter und die zuständige Abteilung überprüft das vorgelegte Konzept auf Herz und Nieren. Mit diesem Prinzip wird gewährleistet, dass sich der Bankier, der den persönlichen Kundenkontakt hat, nicht beeinflussen lässt und Entscheidungen sachlich getroffen werden.

Fördermittel – Zusätzliche Möglichkeit für Gründer

Eine Alternative bei der Finanzierung für eine Gastronomie bieten verschiedene Förderprogramme an. Zu diesen zählen …

  • … die Agentur für Arbeit
  • … die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau)
  • … Förderprogramme von den Ländern
  • … Mikrokreditfonds

Die Agentur für Arbeit fördert Personen, durch eine Existenzgründung der Arbeitslosigkeit entgehen wollen. Der monatliche Gründerzuschuss setzt sich zusammen aus: Höhe des zuletzt erhaltenen Arbeitslosengelds + 300 Euro. Grundsätzlich wird der Zuschuss lediglich 6 Monate gewährt. Danach können weitere 9 Monate beantragt werden, bei denen man 300 Euro monatlich erhält.

Eine beliebte Option bei der Finanzierung für ein Restaurant sind die Förderkredite der KfW. Gefördert wird …

  • bis zu 125.000 Euro für ein Gründungsvorhaben
  • … Finanzierung von Investitionen und laufenden Kosten
  • … Existenzgründung und Festigung im Neben- oder Vollerwerb bis 5 Jahre nach der Gründung

Dabei übernimmt die KfW 80% des Kreditrisikos und ist von vielen Banken ein anerkannter Kooperationspartner. Eigenkapital wird bei der KfW nicht zwingend benötigt. Gefördert werden zudem bis zu 100% der Investitionskosten.

Auch die Bundesländer bieten Fördermittel für die Existenzgründung in der Gastronomie an. Je nach Bundesland können die Voraussetzungen und die Höhe der Finanzierung oder Förderung unterschiedlich ausfallen. So wird beispielsweise mit dem Programm „Tourismusland Bayern“ u. a. das Hotel- und Gastronomiegewerbe ab 30.000 Euro gefördert.

Für kleineres und weniger bürokratisches Fremdkapital eignen sich die Mikrokreditfonds. Diese laufen unter der Schirmherrschaft des Bundesarbeitsministeriums. Vor allem Gastronomiebetriebe erhalten häufig eine Finanzierung durch die Mikrokredite.  

Crowdfunding und Privatkredite – Unbürokratisch zum Darlehen

Die einfachste Lösung der Finanzierung in der Gastronomie ist sicherlich der Privatkredit. Es gibt weder bürokratische Hürden, noch wird ein ausgeklügelter Businessplan benötigt. Die Familie, Freunde und Bekannte können problemlos als Geldgeber fungieren.

Eine weitere Möglichkeit für einen privaten Kredit ist das Crowdfunding. Dieses genießt vor allem wegen der Corona-Krise eine immer größer werdende Aufmerksamkeit in der Gastronomie. Doch nicht nur um die eigene Liquidität in Krisenzeiten zu sicher ist Crowdfunding eine denkbare Alternative für die Kapitalbeschaffung durch Fremdfinanzierung. Auch für die Gründung bieten Crowdfunding-Plattformen lukrative Möglichkeiten, um liquide Mittel zu erhalten.

Aber beachte, dass es für Newcomer ohne große Reichweite und Bekanntheit oftmals schwierig ist, mit einer Crowdfunding-Kampagne überhaupt Gehör zu finden. Die “Crowd” unterstützt in der Regel vor allem innovative Ideen, nachhaltige Konzepte und bekannte Gastronomiebetriebe.

Ob Crowdfunding für dich zum Erfolg wird, hängt deshalb u.a. maßgeblich von deinen Alleinstellungsmerkmalen deiner Gastronomie, deiner Kommunikation nach Außen und deinen Marketing-Bemühungen ab. Du könntest beispielsweise versuchen, potenzielle Gäste in deinem Einzugsgebiet und lokale Medien auf die Kampagne aufmerksam zu machen. Oder über andere Kanäle wie Soziale Netzwerke zu werben. Dann besteht durchaus eine Chance, übers Crowdfunding zusätzliches Fremdkapital zu bekommen.

Einen ausführlichen Leitfaden für eine erfolgreiche Kampagne erhältst du in unserem Artikel >>Crowdfunding in der Gastro<<

Brauereidarlehen – Das musst du wissen

Dass Brauereien bei Neugründungen als Kapitalgeber in Frage kommen, ist kein ungewöhnliches Mittel in der Gastronomie. Brauereien bieten finanzielle Unterstützung in Form von Krediten. Im Gegenzug verpflichtet sich der Gastronom, eine Anzahl x an Getränken abzunehmen.

Die Konditionen des gewährten Kredits sind meist günstiger als bei der Bank und zudem besitzen einige Brauereien eigene Immobilien mit Inventar, die sie den Gastronomen – gegen Mietgebühren – zur Verfügung stellen.

Der Nachteil eines solchen Modells ist, dass man beim Einkauf der Getränke eingeschränkt ist, da oftmals nicht nur alkoholische Getränke von der Brauerei bezogen werden müssen. Die Möglichkeit durch Verhandlungen einen günstigeren Preis zu erzielen oder bei anderen Herstellern die Getränke zu beziehen besteht in diesem Modell nicht.

Leasing und Ratenzahlungen – Mit wenig Geld voll ausgestattet

Eine Möglichkeit, um die Ausgaben am Anfang gering zu halten, bieten Leasing und Ratenzahlungen. Dadurch benötigst du weniger Fremdkapital und kannst zugleich größere Teile deines Startkapitals beispielsweise in Marketing & Werbung investieren.

Vor allem die Küchentechnik sowie Gastraumausstattung sind sehr kostenintensiv. Bei Ratenzahlungen musst du in der Regel einen Anteil x Anzahlen und der restliche Betrag wird zu y monatlichen Zahlungen abgestottert.  

Checkliste & Tipps: So meisterst du das Bankgespräch

Besonders Neugründer in der Gastronomie haben es schwierig einen Kredit bei der Bank zu erhalten. Damit du bestmöglich für dein Termin mit der Bank vorbereitet bist, verraten wir dir worauf es beim Gespräch ankommt:

1. Kontaktaufnahme bei der Bank

Die erste Kontaktaufnahme mit der Bank sollte entweder vor Ort oder telefonisch erfolgen. Hierbei geht es lediglich darum einen Termin auszumachen und das Vorliegen (Finanzierung einer Gastronomie) in 1-2 Sätzen zur Sprache zu bringen.

„Guten Tag, Max Mustermann mein Name. Ich plane eine Existenzgründung in der Gastronomie und wollte nachfragen, ob es in Ihrem Haus grundsätzlich möglich ist, eine Finanzierung für so ein Vorhaben zu beantragen. […] Wann wäre denn ein Termin bei Ihnen zeitnah realisierbar?“

2. Vorbereitung für das Bankgespräch

Vorbereitung ist das A und O einer erfolgreichen Finanzierung und steigert deine Kompetenz gegenüber Geldgeber. Achte deshalb, dass du alle relevanten Dokumente beim Bankgespräch dabei hast:

Zudem solltest du eine Präsentation erstellen, in der du dein Konzept bei der Bank vorstellst. Doppelt hält hierbei besser: Nimm dein Laptop mit und ein USB-Stick, falls die Technik vor Ort streiken sollte.

3. Dein Auftreten: So überzeugst du als Gastronom

Das Wort Kredit leitet sich aus dem lateinischen Wort „credere“ ab und bedeutet glauben, vertrauen. Willst du somit einen Kredit von der Bank erhalten, muss dir der Banker vertrauen. Dein Auftreten spielt dabei eine große Rolle. Denn wer vertraut schon jemanden der unpünktlich, unordentlich oder keine Ahnung hat? Achte deshalb auf folgende Punkte:

  • Seriosität (Kleidung, Erscheinungsbild)
  • Sei für alle möglichen Fragen ideal vorbereitet. Vermeide Antworten wie „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.“
  • Ordnung bei deinen Dokumenten (du solltest immer alles schnell finden und nichts vergessen)

Finanzierungsberatung – Lohnt sich das?

Die Finanzierung einer Gastronomie kann schnell sehr unübersichtlich werden und zu viel Kopfzerbrechen führen. In manchen Fällen ist es deshalb ratsam einen Fachmann hinzuzuziehen. Ein (Gründungs-) Berater hilft dir nicht nur bei der Erstellung eines Finanzplans und der Finanzierung, sondern auch bei der Ausarbeitung eines Businessplans.

Je nach Bundesland wird so eine Beratung unterschiedlich gefördert. In der Regel wird jedoch eine Gründungsberatung mit bis zu 80% bezuschusst.

Eine Liste verschiedener Beratungsagenutren findest du u. a. bei der IHK.

Fazit: So klappt die Gastro-Finanzierung

Für einen erfolgreichen Start ins Gastgewerbe benötigst du im Normalfall ausreichend Eigenkapital und Fremdkapital. Das nötige Kleingeld für die Restauranteröffnung kannst du dir bei der Bank als Kredit, durch Crowdfunding, Förderprogramme oder als Darlehen bei Brauereien besorgen.

Banken verlangen meistens Sicherheiten und ein gewisses Maß an Eigenkapital, damit sie deine Geschäftsidee unterstützen.

Vor allem viele staatliche Zuschüsse und Fördermittel für Existenzgründungen können anfangs eine willkommene Hilfe sein. Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Programme für die Gastronomie.

Plane bei deiner Finanzierung auch einen ausreichenden Puffer ein und Budget für Marketing & Werbemaßnahmen. Sonst kannst du schnell in finanzielle Nöte mit deinem Unternehmen geraten, da du dein Personal bezahlen musst, auch wenn anfangs noch viele Tische leer sind.

Nützliche Links und weitere Tipps:

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