Apps gegen Lebensmittelverschwendung – und wie du als Gastronom davon profitierst

Obwohl noch genießbar, landen jährlich über 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Mülleimern deutscher Bäckereien, Restaurants und Supermärkten. Als Gastronom kannst du einen aktiven Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung leisten – und dabei nicht nur die Umwelt entlasten, sondern nebenbei dein Geschäft ankurbeln. Wie dich dabei Apps unterstützen, erklären wir im nachfolgenden Beitrag.

Ein Artikel von Isabell Schlecht

Die ungeschminkte Wahrheit

Hand aufs Herz: Wie viele Lebensmittel, die noch in einem einwandfreien Zustand sind, werfen wir tagtäglich weg? Jährlich landen etwa 18 Millionen Tonnen überschüssiger Lebensmittel im Müll, schätzungsweise um die Hälfte der Abfälle wären vermeidbar. Dass das ökologische wie ökonomische Konsequenzen hat, dürfte niemanden überraschen. Nicht nur die Erzeugung, sondern auch das Vernichten von Nahrungsabfällen verbraucht wertvolle Ressourcen. “Mit jedem Lebensmittel, das unnötig im Müll landet, werden wertvolle Ressourcen verschwendet”, resümiert folgerichtig das Bundeszentrum für Ernährung.

Aus gastronomischer Sicht lässt es sich oft auch nicht mit weitsichtiger Planung und Kalkulation vermeiden, überschüssiges Essen in die Tonne befördern zu müssen. Vor allem in der reservierungsarmen Mittagszeit mit überproportional vielen Walk-ins ist die Gästezahl oftmals schwer vorherzusagen. Was also tun, wo anfangen? Wie Gastronomen beim Thema Nachhaltigkeit vor allem dank der Digitalisierung profitieren können, zeigt ein überlegenswerter Ansatz von zwei App-Entwicklern.

Zwei Apps, eine Mission

ResQ ist ein finnisches Startup, welches ihren Erfolg gerade über Deutschland hinaus ausbauen möchte. Too Good To Go wurde bekannt durch die beliebte Gründer-Show “Die Höhle der Löwen” und ist in Deutschland wesentlich stärker vertreten. Beide Startups eint das Engagement gegen Lebensmittelverschwendung. 

Die Konzepte sind weitgehend identisch: Gastronomische Betriebe oder auch Supermärkte und Bäckereien können sich über die Websites beider Anbieter kostenlos als Partner registrieren. Nach erfolgter Anmeldung werden nun täglich von den Partnern individuell die übrig bleibenden Portionen kalkuliert und erfasst. Die genaue Portionsgröße sowie dessen Preis ist dabei jedem selbst überlassen, dieser sollte nach Empfehlung jedoch zwischen 40 bis 70 Prozent des regulären Verkaufspreises betragen. Auch der Portionsinhalt steht dir als Gastronom, zumindest bei TGTG, frei und muss in der App nicht spezifisch beschrieben werden.

App-Nutzer holen sich so eine Art “Wundertüte” ab. Bei ResQ hingegen werden die übrig gebliebenen Lebensmittel detaillierter beschrieben. Den Nutzern werden die registrierten Portionen standortspezifisch angezeigt, und direkt online in der App zum Kauf angeboten. Bestätigt wird die Übergabe mit einem elektronischen Kaufbeleg, den der Gast bei dir vor Ort vorzeigt. 

Gäste werden angehalten, zur Abholung der Portionen eigene Transportmöglichkeiten mitzunehmen. Den Partnerbetrieben von TGTG werden hingegen auch To-Go-Boxen aus nachhaltigen Materialien vor Ort bereitgestellt. ResQ behält pro verkaufter Mahlzeit eine Provision von 25 % des Verkaufswertes ein, TGTG nimmt für jede Portion 1 €. Der Rest wandert in deine Tasche.

Die Vorteile liegen auf der Hand

Blendet man den ethischen Aspekt beim Kampf gegen Lebensmittelverschwendung aus, lohnt sich die Teilnahme für den Gastronom noch aufgrund weiterer Faktoren. Themen wie Regionalität und Nachhaltigkeit gewinnen bei Gästen einen immer höher werdenden Stellenwert.

Wer sich frühzeitig und proaktiv gegen Müllvermeidung einsetzt, trägt ein positives Bild von sich in die Welt hinaus. Abseits der Imageförderung schafft der Ansatz auch eine potenziell neue Umsatzquelle. Neben den Erlösen durch den Verkauf der Portionen, die andernfalls im Müll gelandet wären, lassen sich zum Beispiel Entsorgungsgebühren reduzieren. Obendrein verschafft einem der Auftritt an den Essensbörsen von Too Good To Go, ResQ und Co. vor allem Aufmerksamkeit. So gewinnst du neue Gäste in der Nachbarschaft, die dein Restaurant vorher möglicherweise noch gar nicht kannten. Und wenn’s ihnen schmeckt, lassen sie sich womöglich auch zu einem regulären Besuch verführen.

Die wesentlichen Vorteile nochmal zusammenfassend:

  • Umsatzsteigerung durch geringere Entsorgungskosten für den Müll und Verkauf überschüssiger Lebensmittel
  • Neue Gäste durch Sichtbarkeit in den Essensbörsen
  • Positiveres Images durch Lebensmittelverschwendung trägt gestiegene Sensibilität seitens Gästen für Nachhaltigkeit Rechnung

Fazit – Der Trend geht zur Nachhaltigkeit

Apps wie TGTG und ResQ sind willkommene Angebote und bieten Gastronomen attraktive Möglichkeiten an die Hand gegen Lebensmittelverschwendung mit vergleichsweise geringem Eigenaufwand vorzugehen. Dabei sollte man nicht nur an den eigenen Umsatz sowie Reputation denken, sondern schlicht und ergreifend an unsere Umwelt. Wenn jeder Gastronom einen kleinen Beitrag zur nachhaltigen Wirtschaft leistet, lässt sich gemeinsam Großes erreichen.

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