Bezahlung per Smartphone – Wie geht das?

Natascha Tez
Montag, der 10. September 2018


Nicht nur bei Lieferdiensten, auch in vielen städtischen Restaurants kann man inzwischen bargeldlos und kartenlos bezahlen. Das Thema Bezahlung per Smartphone ist in aller Munde. Aber haben Kunden wirklich Interesse an der neuen Technologie? Lohnt sich die Investition ins neue Bezahlsystem für die Gastronomie heute schon – oder sollte sie noch abwarten? 

Immer wieder taucht das Thema in den Medien auf. Jüngst verkündete die sonst eher nicht für ihren Pioniergeist bekannte Sparkasse die Veröffentlichung einer eigenen App zum Bezahlen per Smartphone. Die Sparkasse will genau wie viele andere Banken nicht den Anschluss zu einem Trend verpassen, den große US-amerikanische Hightech-Konzerne aus dem Silicon Valley vor wenigen Jahren weltweit entfacht haben. Stets medienwirksam verkünden sie das Ende vom Bargeld und EC-Karten, auch wenn die Realität heute noch etwas anders aussieht.

Das wird sich nicht durchsetzen!

Bisher ist die Revolution zumindest in Europa ausgeblieben. Nur zaghaft entwickeln sich die Nutzerzahlen gerade in Deutschland, wo Bargeld seit jeher eine feste Konstante im Alltag spielt. Manch ein Beobachter wagt daher schon die These aufzustellen, dass sich diese Art der Bezahlung hier nicht durchsetzen wird. Zu groß sei der Mangel an Vertrauen gegenüber der Bezahlung per Smartphone. Schließlich nehmen viele Deutsche auch bei der Kartenzahlung eine kritische Meinung ein – so zumindest der Irrglaube.

Dabei wurde das Gegenteil bereits bewiesen. Eine Umfrage von Orderbird und Mastercard im Jahr 2017 ergab unter anderem: 

  • 69,6 Prozent der befragten Wirte schätzen moderne Zahlungsmethoden als sehr wichtig ein
  • 31,3 Prozent der befragten Gäste haben sich wegen fehlender Kartenzahlung gegen ein Restaurant, Café oder eine Bar entschieden

Auch die Bezahlung per Smartphone oder Smartwatch wird sich in den kommenden Jahren neben den bekannten Zahlungsmitteln etablieren. Aktuell sind es besonders Touristen aus dem Ausland, die in hiesigen Restaurants wie gewohnt mit dem Telefon bezahlen möchten. In China haben die Smartphone-Apps WeChat und Alipay praktisch alle anderen Zahlungsmittel ersetzt. Milliarden von Transaktionen werden täglich über sie durchgeführt. Europäische Reiseziele erfreuen sich zunehmender Beliebtheit bei chinesischen Touristen und deshalb schließen deutsche Finanzunternehmen wie Wirecard rasch strategische Allianzen mit chinesischen Partnern ab.  

Verlust des Trinkgeldes?

Schon einmal bewirkte die Einführung eines bargeldlosen Bezahlsystems große Besorgnis bei Angestellten in der Gastronomie. Es zeigte sich jedoch schnell, dass diese Furcht weitgehend unbegründet ist. Bei repräsentativen Umfragen sagten 80,8 Prozent der Restaurant-, Café– und Barbetreiber aus, die Höhe des Trinkgeldes habe sich durch die Einführung von bargeldlosen Kartensystemen nicht verändert. 11 Prozent meinten sogar bei Kartenzahlungen ein höheres Trinkgeld zu erhalten. Wirft man einen Blick auf die USA, wo die Bezahlung per Smartphone vielerorts schon Gang und Gebe ist, zeichnet sich hinsichtlich der Sorge über zu niedrige Trinkgelder ein eher unerwartetes Bild ab. Traditionell sind Trinkgelder in Höhe von 15 bis 20 Prozent auf der anderen Seite des Atlantiks üblich und bilden damit die wichtigste Einnahmequelle vieler Service-Fachkräfte. Einige Apps bieten Funktionen, bei denen das Service-Personal die Höhe des Trinkgeldes selbst bestimmen kann. Berichten zur Folge wird dies mancherorts schamlos ausgenutzt, da das Personal teilweise erheblich höhere Beträge festlegt, als es der allgemeinen Norm entspricht. Ein transparent festgelegter Betrag (Service Fee) könnte diesen Konflikt möglicherweise entschärfen und zugleich die Entscheidungsfrage zur angemessenen Höhes des Trinkgeldes ein für alle Male klären.

Bezahlung per Smartphone – Wie funktioniert das jetzt nun? 

Der Vorgang ähnelt der Handhabung bei neueren Geldkarten, die ebenfalls kontaktlos benutzt werden können. Der Gast hält sein Smartphone für einen kurzen Moment an ein entsprechendes Lesegerät, verifiziert die Zahlung über den Bildschirm und schon nach wenigen Sekunden erfolgt die Transaktion. Ganz ohne Eingabe einer PIN, die bei manchen just im entscheidenden Moment aus dem Gedächtnis verschwunden ist. Damit dies allerdings überhaupt erst möglich wird, benötigt der Gast eine Bezahl-App sowie ein NFC-fähiges Telefon. NFC steht für Near Field Communication und ist ein speziell für diesen Zweck entwickelter Funkstandard, der nur in einem Bereich von wenigen Zentimetern Daten übermittelt. NFC gilt daher als besonders sicher. Fast alle Smartphones haben heute diesen Funktstandard und selbst wenn nicht: ein spezieller Aufkleber auf der Rückseite des Handys ermöglicht ebenfalls diese Funktion. 

Was muss ich als Gastronom beachten?

Finde zunächst heraus, ob dein Kassengerät für die Bezahlung per Smartphone ausgelegt ist. Bei Unsicherheiten wendest du dich am besten an den Support des Kassensystemanbieters. Oft wird diese Frage bereits auf der Webseite beantwortet. Kontrolliere auch, mit den verschiedenen Apps das Kassengerät kompatibel ist. In wenigen Ausnahmefällen kann es auch entscheidend sein, welches Handy der Gast besitzt.

Lohnt sich der Umstieg?

In Touristenregionen mit vielen ausländischen Gästen ist der Umstieg auf ein modernes Kassensystem, das die Bezahlung per Smartphone ermöglicht, zunehmend unabwendbar. In weniger touristischen Region, wo oftmals auch die Anbindung an das Internet eher bescheiden ist, empfiehlt es sich noch eine Weile zu warten. Denn nicht selten berichten Nutzer dieser Kassensysteme von unangenehmen Verbindungsabbrüchen im Alltag, die nicht nur das Erlebnis der Gäste verschlechtern sondern zugleich auch den erhofften Zeitgewinn zunichte machen. Die Bezahlung per Smartphone wird sich durchsetzen. Daran besteht unsererseits kein Zweifel. Ob das Verfahren allerdings in absehbarer Zeit etablierte Zahlungsmethoden ersetzen kann, wie es in Teilen Asiens der Fall ist, wird sich zeigen. Inbesondere in Deutschland genießt das Bargeld weiterhin einen hohen Stellenwert.

 

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